Salzluft atmen, runterkommen, auftanken

Ein Lieblingsort in Lüneburg: Vor der mit Schwarzdorn gefüllten Wand zerstäubt feinste Sole – ein kurzes „Meeresklima“ mitten in der Stadt. Frei zugänglich, ruhig, wohltuend.

  • Ort: Kurpark Lüneburg, direkt hinter der Salztherme Lüneburg

  • Zugang: Frei & kostenlos, der Park ist rund um die Uhr geöffnet und das Gradierwerk läuft 24/7.

  • Baujahr: 1907, es steht unter Denkmalschutz.

  • Abmessungen: ca. 59 m Länge, etwa 10 m hoch.

  • Betrieb: Seit Sept. 2025 wieder in Betrieb nach Sanierung und Modernisierung

Was ist ein Gradierwerk – und warum tut es gut?

Wenn Sole über dicht gepackte Schwarzdorn-Bündel rieselt, verdunstet Wasser – und in der Umgebung entsteht ein feiner, salzhaltiger Nebel. Genau diesen atmen Sie beim Aufenthalt in der Nähe ein. Das kann die Atemwege befeuchten und sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken.

Übrigens: Das Lüneburger Gradierwerk wurde bereits 1907 rein zu gesundheitlichen Zwecken gebaut – und nicht zur Salzproduktion. Damit war es deutschlandweit eines der ersten seiner Art.

So nutzen Sie diesen besonderen Ort

Setzen Sie sich für etwa 15–30 Minuten auf die Bänke vor dem Gradierwerk und atmen Sie ruhig und bewusst ein und aus. Bei Wind ist der Solenebel besonders intensiv spürbar – wählen Sie daher ggf. wetterfeste Kleidung.

Neue Bänke: Die Sitzbänke vor dem Gradierwerk wurden so gestaltet, dass Sie in beide Richtungen sitzen können – mit Blick in den Kurpark oder direkt auf die Reisigwand. Diese Weiterentwicklung macht den Aufenthalt noch flexibler und angenehmer. Die Fertigstellung erfolgt voraussichtlich noch im Jahr 2025. (Stand September ´25).

Tipp: Ideal für eine kleine Alltags-Auszeit oder einen bewussten Atemmoment zwischendurch. Abends setzt eine dezente Beleuchtung das historische Holztragwerk in Szene.

Geschichte & Meilensteine

  • 1907: Bau des Gradierwerks im Zuge der Anlage des Kurparks Lüneburg. Es war eines der ersten Gradierwerke in Deutschland, das ausschließlich der Gesundheitsförderung diente – nicht der Salzgewinnung.

  • 1927: Erweiterung des ursprünglichen Baus aufgrund der hohen Besucherzahlen und des wachsenden Interesses an Sole-Inhalationen.

  • 1977: Technische Instandsetzung (nach Unterlagen vermutlich kleinere Sanierung und Austausch einzelner Holzelemente; keine bauliche Erweiterung).

  • 2001: Umfassende Sanierung mit Neuaufbau des Reisigs und Erneuerung des Tragwerks – Grundriss und Ansichten aus dieser Zeit bildeten die Basis für die spätere Denkmalpflege.

  • 2023 – 2025: Vollständige denkmalgerechte Sanierung des Gradierwerks unter Leitung der Kurzentrum Lüneburg Kurmittel GmbH.

    • Ersatz der tragenden Holzkonstruktion und Einbau eines neuen Treppenturms.

    • Neubefüllung mit frischem Schwarzdorn-Reisig.

    • Integration eines neuen Dachs mit Photovoltaik-Schindeln (Sunstyle-System) – rund 102 Module liefern künftig ca. 25 000 kWh Strom pro Jahr.

  • September 2025: Feierliche Wiedereröffnung – das Gradierwerk verbindet seitdem historische Bausubstanz, moderne Energietechnik und klimaneutrale Zukunft.

Technik & Solebetrieb

Im Gradierwerk zirkuliert die Lüneburger Sole in einem geschlossenen System zwischen zwei Solekammern. Eine Pumpe fördert die Sole nach oben in Rinnen. Von dort tropft sie aus den hölzernen Hähnen in die Kerbrinnen. Über diese verteilt sich die Sole gleichmäßig über die Schwarzdorn-Bündel und läuft auf deren Vorder- und Rückseite herab. Unten fangen Rieseltische die Sole auf und leiten sie zurück in die Solekammern – der Kreislauf beginnt von vorn. Verdunstete Wassermengen werden automatisch nachgespeist, damit die Konzentration stabil bleibt. Die Notüberläufe dienen ausschließlich der Sicherheit: Sie verhindern ein Überlaufen der beiden Solekammern (z. B. bei starkem Niederschlag) und damit ein Austreten von Salzwasser in den Kurpark.

 

 

Nachhaltigkeit & Energie

Seit 2025 liefert das Gradierwerk nicht nur wohltuende Salzluft, sondern auch saubere Energie.
Auf dem Dach erzeugen rund 100 Sunstyle-Solarschindeln jährlich bis zu 25.000 kWh Strom – genug, um die Pumpen und Beleuchtung des Gradierwerks zu betreiben. Die überschüssige Energie fließt direkt in das Energienetz der Salztherme Lüneburg.

Das System ist Teil eines gemeinsamen Pilotprojekts von SALVA Lüneburg GmbH, Avacon Wasser GmbH, der Hansestadt Lüneburg und dem Kurzentrum Lüneburg Kurmittel GmbH. Eine architektonisch harmonische Lösung, die Denkmalschutz und Nachhaltigkeit beispielhaft vereint.

Betreiber & Partner

Das Gradierwerk gehört zur Kurzentrum Lüneburg Kurmittel GmbH.
Das Energiekonzept entstand in Kooperation mit der eigens für dieses Projekt gegründeten SALVA Lüneburg GmbH. Entstanden aus der Avacon Wasser GmbH, der Kurzentrum Lüneburg Kurmittel GmbH und der Hansestadt Lüneburg.

Videos vom Lüneburger Gradierwerk